Chronik der Stadt Wangerin, Kreis Regenwalde

Die Städte der Provinz Pommern

Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden

Bearbeitet von Dr. Gustav Kratz
weiland zweitem Archivar am Königl. Provinzial-Archive zu Stettin

Berlin 1865

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Wappen Wangerin Krs. Regenwalde in Pommern

69. Wangerin 1)

Die Geschichte von Wangerin ist eng verknüpft mit der des Geschlechts Borcke, und zwar speziell mit der der Labeser-Wangeriner Linie. Zuerst wird 1354 Henninghaus Borke de Wanghrin genannt. Wann Wangerin Stadtrechte erhalten hat, ist nicht bekannt, doch scheint es jedenfalls schon vor 1460 geschehen zu sein. Sie bediente sich des Lübischen Rechts.

1569 hatte die Stadt einen Prozess mit den Borken wegen ihrer Privilegien; ein ‚Endurthel des Reichskammergerichts vom Jahre 1580 bestätigte den Einwohnern die Befreiung von den geforderten Wagen-, Pflug- und Flußdiensten, vom Auf- und Abzugsgeld und der jährlichen Pön, die Fischerei in dem Polchow und anderen Seen, die freie Holzung und Mast im Burgholz, und die gewöhnliche Jagd’. 2)

Von 1586 ist die Rolle der Garnweber.1593 brannte die Stadt ganz ab und verlor sämtliche Urkunden. Nach der Hufenmatrikel von 1628 versteuerte Wangerin 5 ganze Erben zu 16 Gr., 38 halbe Erben zu 8 Gr. und 30 Buden oder Katen, zusammen = 63 Hafenhufen. 3)

 

Einwohnerzahl:

1740:   645 Einwohner
1782:   634 Einwohner (24 Juden)
1794:   692 Einwohner (30 Juden)
1812:   765 Einwohner (1 Katholiken,  61 Juden)
1816:   761 Einwohner (1 Katholiken,  53 Juden)
1831:  1121 Einwohner (2 Katholiken,  72 Juden)  
1843:  1638 Einwohner (3 Katholiken,  72 Juden)
1852:  2032 Einwohner (1 Katholiken, 105 Juden) 
1861:  2394 Einwohner (1 Katholiken, 126 Juden)

Bürgermeister:

Thiede                            gest. 1722 
Johann Christoph Schmidt  1722 -... (gest. 1741)
Kühnemann                     gest. vor 1723 
Ernst                              1729
Conradt                          1745
Joachim Friedrich Schultz   1748. 1775 
J.F. Ponest                      1757. 1763.
C.L. Bürger                      1811 -..., 1848.  
Unrau                             1853. 1864

1) Dr. Gustav Kratz, Berlin 1865: Die Städte der Provinz Pommern, Seite539

2) Brüggemann, Beschreibung des Herzogthums Pommern, II. Seite 330.

3) Klempin und Kratz, Matrikeln und Verzeichnisse, S. 304

Deutsches Städtebuch
Handbuch städtischer Geschichte 1)

 

Im Auftragen
der Konferenz der landesgeschichtlichen Kommissionen Deutschlands

mit Unterstützung des Deutschen Gemeindetages
herausgegeben von
Professor Dr. Erich Kaiser


Band I

Norddeutschland

Stuttgart - Berlin 1939

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Wangerin, Kr. Regenwalde 2)

  1. Wangerin, Wangherin
  2. Wangerin liegt an der Bahnstrecke Ruhnow - Neustettin in einem Kessel, dessen Rand auf der Südost-Seite sich gegen 20 m über den Boden erhebt. In der Nähe ist eine Hügelkette des Baltischen Höhenzuges. Im Osten liegt der gleichnamige See und im Westen die Seewiesen, bis um 1800 der Polchower See. Der Untergrund ist sumpfig. Die beiden Seen bedingten  die bauliche Ausdehnung der Stadt in die Länge.
  3. 1348 als Residenz einer jüngeren Linie des Labeser Hauptstammes der Familie von Borcke genannt.
  4. Verleihung des Stadtrechts (lübisches Recht) wohl vor 1460.
  5. Das Straßennetz zeigt Rippenform. In der Nachkriegszeit Stadtrandsiedlungen auf dem Springberg, an der Labeser Chaussee, an der Ruhnower und Nörenberger Chaussee. Im Mittelpunkt der recheckige Markt. Das Rathaus am Markt seit 1815. Mittelbau 1922 neu errichtet. Die Kirche aus 15. Jahrhundert; nach dem großen Brand von 1593 ausgebaut, 1697 abermals durch Feuer zerstört, 1705-1715 wiederhergestellt. Turm erst 1750 errichtet. Inmitten des wendischen Rundwalles erhebt sich das in der Stadt gelegene ehemalige Schloß der von Borcke als schlichter Fachwerkbau mit 2 Seitenflügeln in 2 Geschossen.
  6. a) 1740:  645 Einwohner
    1743:  135 Einwohner 3), Ziegeldächer, keine Strohdächer, 58 Scheunen
    1782:  634 Einwohner
    1794:  962 Einwohner
    1812:  765 Einwohner
    1816:  761 Einwohner
    1831: 1121 Einwohner
    1840: 1395 Einwohner
    1843: 1638 Einwohner
    1846: 1884 Einwohner
    1849: 1962 Einwohner
    1852: 2032 Einwohner
    1855: 2226 Einwohner
    1858: 2422 Einwohner (Bahnbau)
    1861: 2397 Einwohner
    1864: 2512 Einwohner
    1867: 2412 Einwohner (1866 Cholera und Krieg)
    1871: 2611 Einwohner
    1925: 2936 Einwohner
    1937: 3550 Einwohner in 362 Wohnhäusern mit 940 Haushaltungen
    b) Kb. ab 1653 (bzw. 1621 – 1633)
        Bgb. 1876 – 1906
  7. Umgangssprache hochdeutsch
  8. Hauptsächlich Ackerbau, Viehzucht und Fischfang. 1858 Anschluß an die Eisenbahnstrecke Ruhnow – Neustettin. Vordem Frachtwagenverkehr bis Stargard und Stettin. 2 große Mühlenwerke, Gasanstalt, Wasserwerk, Molkerei, Maschinenfabrik, 3 Zimmerhöfe.
  9. Magistrat bestand 1740 aus einem Bürgermeister und 2 Senatoren. Seit Einführung der Städteordnung von 1808 bestand die Stadtverordnetenversammlung nur aus 9 Mitgliedern, weil es gewöhnlich nicht mehr als 80 – 100 stimmfähige Bürger bei 1000 – 1500 Einwohnern gab. 1852 12, 1918 18 Stadtverordnete. Der Rat bestand aus dem Beigeordneten und 4 Ratmännern.
  10. Zu Pommern, 1648 zu Brandenburg.
  11. Wangerin gehörte zum Kanton des Inf.-Rgt. von Hacke Nr. 8, das 1677 aus dem brandenburgischen und pommerschen Regiment gebildet wurde, und des Inf.-Rgt. von Puttkamer Nr. 36. Schützengilde priv. 1690, Bürgerwehr (Sicherheitsver.) 1848. Die Kriegerkameradschaft wurde 1786 gegründet von „sämtlichen Füsilieren der Stadt“ unter dem Namen „Militärische Schützenbruderschaft“. Dies ist die Urzelle des deutschen Reichskriegerbundes Kyffhäuserbund. 150-Jahr-Feier 1936.
  12. Siegel (1499): Schild mit 2 Querbalken, seit 1595 nur 1 Querbalken.
  13. a) Die Grundlage der städtischen Finanzen bildet  der Stadtbesitz. Jedoch hatte Wangerin keine Dörfer und Vorwerke. Im Haushaltsetat 1870 Einnahme an beständigen Gefällen.
  14. Einige Grundstücke vom Rittergut Wangerin B 1855 und 1869 abgetrennt und mit dem Gemeindebesitz der Stadt vereinigt. 1870 5.830 Mgr.
  15. Reform. seit 1534
  16. 1782:  24 Juden
    1794:  30 Juden
    1812:  61 Juden
    1816:  53 Juden
    1831:  72 Juden
    1843:  72 Juden
    1852: 105 Juden
    1861: 126 Juden
    1867: 114 Juden
    1871: 110 Juden
    1925:  15 Juden
    Getreidehandel. Tempelbau 1832, Ausbau und Vergrößerung 1841, Verkauf auf Abbruch 1936. Zusammenlegung mir der Gemeinde Labes 1926. Sitze in der Stadtverordnetenvertretung 1853 – 1914.
  17. Nachrichten über Schulwesen seit 1651. Rektorschule und Küsterschule 1780. Der Rektor (bis 1899) und 1 Lehrer waren Hilfsprediger bei der Stadtkirche. Schulhaus seit 1857. Schule heißt Stadtschule. Vor 1914 Privatschule mit fremdsprachlichem Unterricht, später wurden 2 gehobene Klassen der Stadtschule angegliedert. Berufschule seit 1904.
  18. Wangeriner Post (Falkenburger Zeitung) seit 1895, Wangeriner Zeitung 1908 – 1933.
  19. b) Sello. Familieng. von Borcke

1) Gliederung der Stadtbeschreibung liegt mir leider nicht vor.

2) Prof. Dr. Erich Kaiser, Stuttgart – Berlin 1939: Deutsches Städtebuch, Seite 259

3) Hier liegt sicherlich ein Druckfehler  vor.

Siegel der Stadt Wangerin

Siegel der
Stadt Wangerin

Chronik von Wangerin im Kreis Regenwalde in Pommern

Wangerin, die jüngste der 3 Städte im ehemaligen Borckenland, ist aus einer alten Wendensiedlung hervorgegangen. Der Ort liegt an der Bahnstrecke Ruhnow-Neustettin in einem Kessel, in der Nähe einer Hügelkette des baltischen Höhenzuges. Das Straßennetz zeigt Rippenform. Im Osten der Wangeriner See, und im Westen die Seewiesen, entstanden durch den damaligen Polchower See, der 1805 abgelassen wurde.

Die Stadt hatte keine Befestigung, sondern nur Schlagbäume. Der höchste Berg ist der am Wangeriner See gelegene Höllenberg mit 133 m ü. NN.

Durch Wangerin verlief die Reichsstraße 158 Stargard – Dramburg - Neustettin, 162 Wangerin - Labes - Bad Polzin

  • 1348  Besitzer des Wangeriner Lehens Nicolaus Bork senior.
  • vor 1460  Verleihung des Stadtrechts mit Lübischen Recht. Die Stadt lag auf Borckeschem Grund und Boden.
  • 1549  Daniel Borck - Herr von Wangerin.
  • 1593  Wangerin wird durch eine Feuersbrunst zerstört.
  • 1648  Wangerin gehört zu Brandenburg.
  • 1697  Am 9. Februar wir d die Stadt erneut von einer Feuersbrunst heimgesucht, abgebrannt sind auch Kirche, Rathaus und Schule.
  • 1715  Kirchenneubau nach dem Brand abgeschlossen,
  • 1716 - 1732  Standort einer Eskadron des Preußischen Dragoner-Regiments Nr. 1
  • 1740  Noch ein dorfähnliches Städtchen mit nur 645 Einwohnern.
  • 1750  Kirchturm errichtet. Bis dahin befand sich auf dem Kirchhof zwischen Kirche und Wallstraße ein Glockenturm.
  • 1786  Gründungsjahr der Kriegerkameradschaft von den Füsilieren der Stadt. Dies ist die Urzelle des Reichskriegerbundes Kyffhäuserbund.
  • 1806 - 1808  Französische Besatzung und die Befreiungskriege bringen viele Einwohner an den Bettelstab.
  • 1809  Städteordnung. Die v. Borcke verlieren die sogen. Burggerichtsbarkeit.
  • 1815  Rathausneubau im Fachwerkstil, darin auch die Schule.
  • 1830 - 1865  Der Ort blüht sichtbar auf; Kreuzungspunkt mehrerer Straßen.
  • 1854  Die Stadt kauft von Herrn v. Borcke den alten Gutshof Wangerin B mit dem Herrenhaus und anderen Gebäuden.
  • 1856 - 1857  Schulhausneubau am Markt; es ging auch kulturell aufwärts.
  • 1859  Am 1. Juli eröffnete die Preußisch-Hessische Eisenbahn die Strecke  Stargard-Ruhnow-Belgard-Köslin. Der Bahnhof Wangerin gehörte kommunalpolitisch zur Gemeinde Polchow.
  • 1866  Cholera und Krieg.
  • 1873  Eisenbahnstrecke Ruhnow-Neustettin wird eröffnet; Wangerin erhält einen „neuen“ Bahnhof; der alte Bahnhof wird in Bahnhof Ruhnow umgetauft.
  • 1922  Der Rathaus-Mittelbau wird erstellt.
  • 1939  Wangerin hat 3454 Einwohner.
  • 1945  Am 2. März vormittags erreichen die ersten sowjetischen Panzer die Stadt; beschossen sie mit Granaten. Voller Panik verlassen die Bürger die Stadt. Vielen Einwohnern gelingt die Flucht nicht mehr. Durch Brand fiel die gesamte Innenstadt in Schutt und Asche. Was noch stehen geblieben fiel der späteren sinnlosen Zerstörung zum Opfer. Die Stadt wurde von den nachfolgenden polnischen Truppen: besetzt und hieß bereits am 20. Mai 1945

W ę g o r z y n o

Alfred Frühling

 

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 Letzte Aktualisierung: 09.07.2017