Unsere Kirche

Historisches von der Wangeriner Kirche

Seit der Reformation ist die Wangeriner Kirche dreimal ein Raub der Flammen1920x-lange_strasse geworden: 1593, 1693 und 1945. Wegen des Wiederaufbaus nach den ersten Bränden gab es harte Auseinandersetzungen zwischen dem Rat der Stadt, dem Kirchenvorstand und den Patronen, bei denen nicht nur vor dem Kirchenkonsistorium gestritten, sondern auch vielfach das letzte Rechtsmittel beim Reichsgericht in Speyer oder dem königlichen Tribunal in Berlin eingelegt wurde.

Überliefert aus dieser Zeit ist die Begebenheit vom Glockenstreit.

1930x-wangerin_ansicht_kircheDer Rat der Stadt verfasste darüber am 6. April 1643 eine mit dem Stadtsiegel versehene Niederschrift, in der es heißt: „Das Städtlein und die Gemeinde von Wangerin hat nicht nur den Wiederaufbau der Kirche Anno 1598 übernommen, sondern auch Anno 1615 die Glocken gießen lassen. Beides auf ihre alleinigen Kosten. Die Herren von Borcke als Patrone haben dazu nicht das Geringste getan und keinen Heller gegeben.

Als dann der von der Stadt gebaute hölzerne Glockenstuhl aufgerichtet werden sollte, hat der Junker Joachim von Borcke dies seinen Untertanen, die zur Hilfe willens waren, bei hoher Strafe verboten. Der Junker und sein Bruder haben mit Gewalt einen Schmied dazu gezwungen, die auf den Glocken gestandenen Namen des damaligen Pastors Samuel Oldendorff, der Kirchenvorsteher, des Bürgermeisters Carsten Koenemann und des Ratsverwandten Adam Deufel abzuhauen und 1920x-Kirche-innen2auszufeilen.

Währenddessen sind die Herren Junker nebst ihrem Gesinde mit gezogenem Degen und offenen Pistolen die Gasse auf- und niedergeritten und haben die Bürger daran gehindert, zusammenzukommen, um dieses gewaltsame Vorgehen steuern zu können. Solches ist vielen Leuten allhie noch bewusst, und die Spuren auf den Glocken sind noch zu finden.

Es ist doch anzunehmen, wenn die Herren Patrone das Bestehen der Kirche  wahren und die Glocken hätten gießen lassen, es würden dann ihre Namen darauf gegossen worden sein und nicht anderer Leute Namen." Der kaiserlich autorisierte Notar Johannes Legner, der die Glocken besichtigte, bestätigte das Vertilgen der Namen.

Im Jahre 1679 wurde das Kirchengebäude mitsamt der Kirchenbücher völlig zerstört, und erst 1715 war der 1697 begonnene Neubau fertig.

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Der Kirchenvorstand schrieb im September 1701 an das Konsistorium: „Wir können nicht umhin, über den kläglichen Zustand des Städtleins Wangerin zu berichten, daß am 9. Februar 1697 eine unverhoffte große Feuersbrunst allhie in Wangerin entstanden, da nicht allein die ganze alte Stadt, sondern auch die Kirche, der neu aufgebaute Turm, auch die Glocken, Pfarrhaus und Schule in so geschwinder Eile mit aufgegangen und verbrannten. Mit den schlechten und brannten. Mit den schlechten geringen Mitteln der Kirche kann nicht gebauet werden und die Herren von Borcke als Patrone haben bisher keine Anstalt gemacht, damit die arme Kirche kann wieder erbauet werden.

Durch dieses unordentliche Wesen kann der Gottesdienst nicht recht bestellet werden.

Auch der Gemeinde 1945-church1beliebt es nicht, so Gottes Wort zu hören, weil sie unter dem blauen Himmel sitzen müssen und bald durch Regen, bald durch Schnee verjaget werden. Wir bitten gehorsamst, die Wangerinschen Patrone der Kirche dort vorzuladen, sie auf ihr Unterlassen hinzuweisen und Anstalt zu machen, wie und auf waß Art die Kirche wieder erbauet werden kann."

 

Die Patrone kommen den mehrfach vom Konsistorium festgesetzten Verhandlungsterminen nicht nach. In dieser Zeit versuchen die 1950x-krieg5Bürger, Mittel für den Bau durch eine große Sammelaktion zu bekommen.

Am 10. April 1706 erteilt der Preußenkönig Friedrich I. durch Kabinettserlaß dem Magistrat der Stadt Wangerin die Erlaubnis, zum Wiederaufbau der 1697 durch Brand vernichteten Kirche und Schule im königlichen Lande und den Residenzen eine Kollekte zu sammeln. Mit dem Einsammeln wird der Wangeriner Bürger  Friedrich Fritz beauftragt.

Mit der Rundreise, welche im Osten bis Danzig, im Westen bis Malchow 1962-wangerin_kirche_1962gegangen war und auch die nördliche Neumark umspannte, war bereits im Jahre 1704 der Anfang gemacht worden. Erst während seines Aufenthaltes in Berlin erwirkte Fritz die Erlaubnis zur Kollekte.

Fritz schreibt: „Im großen Berlin mußte ich 16 Wochen stille liegen, nicht allein wegen des Jubelfestes, sondern auch, um auf die Genehmigung zu warten.“

Die weiteren Stilliegezeiten gibt Fritz wie folgt an: „In Stettin drei Wochen, um die Erlaubnis für Schwedisch-Pommern einzuholen, in Danzig sieben Wochen, wegen Unsicherheit auf den 1970x-w-noLandstraßen durch den Poleneinfall, in Frankfurt/Oder drei Wochen wegen des Jahrmarktes.“

 

Der Ertrag der Kollekte wird mit 434 Florin und 186 Florin Unkosten angegeben, so daß sich für den Kirchenbau ein Reinertrag von 248 Florin ergab. Es stimmt einen nachdenklich, daß sich die Herren Patrone nicht auf ihre Pflichten besannen und diese Bettelei in großem Stil zuließen.

 

Ursula Tesch 

Erschienen in:
Die Pommersche Zeitung, Folge 13/87 vom 28.03.1987
Die Pommersche Zeitung, Folge 14/87 vom 04.04.1987
 
 
 
 

Die Kirche in Wangerin mit neuem Turm

2001-Kirche_17-09-2001Seit einigen Jahren konnten unsere Landsleute aus Wangerin, Kreis Regenwalde, und Umgebung bei Besuchen in der Heimat mit Freude feststellen, dass an der Kirche in Wangerin die Renovierungsarbeiten fortschreiten.

Nach der Neugestaltung des Innenraumes mit der Wiederherstellung der Empore nach den alten Bauplänen im Jahre 2000 wurden im folgenden Jahr das Dach erneuert und die vorbereitenden Maßnahmen für die Rekonstruktion des Kirchturms begonnen.

Der ehrgeizige Plan der polnischen 2002-Kirche_07-05-2002Gemeinde und einer Gruppe tatkräftiger Sponsoren hatte zum Ziel, den nicht mehr vorhandenen Turm nach den ursprünglichen Plänen genau wieder 38 m hoch zu errichten.

Beeindruckend war die Spendenfreudigkeit der polnischen Kirche, etlicher Unternehmen der Baubranche und die sehr preiswerte Arbeitsleistung vieler Handwerker.

Nun wurde am 23. April 2003 mit einem 100 t-Kran aus Stettin die massive Holzkonstruktion, die mit Kupferblech ummantelt ist, auf das vorbereitete Mauerwerk des Turmgevierts aufgesetzt.

2003-Kirche_24-09-2003Der Unterzeichnete gesteht seine innere Rührung ein, die er empfand, als er einen Tag später seine Heimatstadt besuchte.

Bei aller Trauer, die wir um das Verlorene empfinden, sprechen wir den Erbauern unsere Anerkennung aus und bitten Gott um seinen Segen für unsere gemeinsame Zukunft.

 

Kurt Porath 
Elchdamm 65 
13503 Berlin 

Erschienen in:
Die Pommersche Zeitung, Folge 30/03 vom 26.07.2003
unter dem Titel "Wieder auf der alten Höhe".
 
 
 
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Unsere Kirche im Wandel der Zeiten:
Bilderschau von Manfred Enge

 

Foto von Pawel Bot, 12.12.2007Ein Weihnachtsgeschenk 2007:

Eine Uhr für die Kirche!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
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 Letzte Aktualisierung: 21.09.2020

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